Tonart bestimmen: So findest du die Tonart eines Liedes an den Akkorden
Wie kannst du die Tonart bestimmen, wenn du nur die Akkorde kennst? Mit fünf Schritten, die auf Papier funktionieren. Genau das brauchst du in der Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule, im Musik-Leistungskurs und im Abitur: Du bekommst eine Akkordfolge und sollst sagen, in welcher Tonart das Lied steht. Auch Lehrkräfte finden hier Beispiele für die Stunde.
Was ist die Tonart eines Liedes?
Die Tonart nennt zwei Dinge: den Ton, auf dem die Musik zur Ruhe kommt (die Tonika), und das Tongeschlecht. C-Dur heißt: Grundton C, Dur-Tonleiter. a-Moll heißt: Grundton A, Moll-Tonleiter.
Die Vorzeichen allein reichen nicht. C-Dur und a-Moll haben beide keine Vorzeichen, G-Dur und e-Moll beide ein Kreuz (Fis). Solche Paare heißen Paralleltonarten. Welche davon gilt, zeigen die Akkorde. Übersichten der Vorzeichen findest du bei Puget Sound unter Major Key Signatures und Minor Key Signatures, eine deutsche Einführung im Wikipedia-Artikel Tonart.
Zu den Tonnamen: In englischen Akkordblättern heißt unser H „B“, unser B heißt „B♭“. Hier gilt die deutsche Schreibweise.
Tonart bestimmen in 5 Schritten: So gehst du an den Akkorden vor
- Akkorde aufschreiben. Nimm das ganze Lied oder mindestens Strophe und Refrain.
- Jeden Akkord in Töne zerlegen. Schreib alle Töne heraus und markiere Kreuze und Bs. Beispiel: G = G–H–D, D = D–Fis–A, Em = E–G–H, C = C–E–G. Gesammelt ergibt das G, H, D, Fis, A, E, C.
- Die passende Durtonleiter suchen. Welche Durtonleiter enthält alle Töne? Im Beispiel G-Dur (ein Kreuz: Fis; das C schließt D-Dur aus). Damit hast du zwei Kandidaten: G-Dur und die Parallele e-Moll.
- Die Dominante suchen. Suche einen Dur- oder Dominantseptakkord eine Quinte über dem vermuteten Grundton: G oder G7 zeigt auf C, E oder E7 auf a-Moll. In Moll ist die V. Stufe Dur, weil die 7. Stufe erhöht wird, also der Leitton Gis in a-Moll. Taucht in einer sonst „C-Dur-artigen“ Tonmenge ein Gis auf, spricht das stark für a-Moll.
- Anfang, Ende und Kadenzen prüfen. Die authentische Kadenz V – I (etwa G7 – C) bestätigt die Tonika, und viele Lieder enden auf ihr. Mehr zu Schlussformeln: Cadences und der Artikel Kadenz (Musik).
Beim Zerlegen der Akkorde hilft der Leitfaden zum Bestimmen von Klavierakkorden.
Welcher Akkord verrät die Tonart?
Nicht jeder Hinweis ist gleich stark:
| Hinweis | Was er nahelegt | Beispiel |
|---|---|---|
| V7 → I | Stärkster Hinweis auf die Tonika | G7 → C: C-Dur |
| Dur-Dominante in einem moll-klingenden Lied | Molltonart mit Leitton | E oder E7 neben Am und Dm: a-Moll |
| Erster und letzter Akkord | Oft die Tonika, aber nicht immer | Lied endet auf G: G-Dur wahrscheinlich |
| Vorzeichnung | Grenzt auf zwei Paralleltonarten ein | Ein Kreuz: G-Dur oder e-Moll |
| Dur-Akkord auf der ♭VII. Stufe | Mixolydische Färbung oder Entlehnung im Rock, kein Tonartwechsel | B-Dur (engl. B♭) in einem C-Dur-Lied |
| Einzelne Zwischendominante | Kurzer Ausflug (V/V), keine neue Tonart | D7 vor G in C-Dur |
Mehr dazu unter Secondary Dominants: D7 = D–Fis–A–C enthält Fis, gehört aber als Dominante zu G, nicht zu einer neuen Tonart.
Welche Akkorde sind in Dur und Moll leitereigen?
Auf jeder Stufe einer Tonleiter steht ein Dreiklang aus leitereigenen Tönen.
| Tongeschlecht | Stufen | Beispiel |
|---|---|---|
| Dur | I ii iii IV V vi vii° | C-Dur: C Dm Em F G Am H° |
| Moll (mit Dur-Dominante) | i ii° III iv V VI VII / vii° | a-Moll: Am H° C Dm E(7) F G / Gis° |
H° besteht aus H–D–F, Gis° aus Gis–H–D. In Moll stehen oft beide Formen nebeneinander: G als natürliche VII. Stufe, Gis° als Leittonakkord. Die vollständigen Tabellen gibt es unter Diatonic Chords in Major und Diatonic Chords in Minor. Wie aus Stufen Funktionen wie Tonika, Subdominante und Dominante werden, zeigt die funktionale Harmonielehre.
Vier Beispiele durchgerechnet
1. C – G – Am – F (als Schleife). Alle Töne passen zu C-Dur und a-Moll. Es gibt kein Gis, und die Folge löst sich nach C auf. Ergebnis: C-Dur, Stufen I – V – vi – IV.
2. Am – Dm – E7 – Am. E7 = E–Gis–H–D enthält Gis, den Leitton zu A. Ergebnis: a-Moll, i – iv – V7 – i.
3. G – D – Em – C. Der D-Akkord bringt Fis, also ein Kreuz: G-Dur oder e-Moll. Für e-Moll fehlt der Leitton Dis, also ein H-Dur-Akkord. D ist dagegen die Dominante von G, und die Folge beginnt und endet auf G. Ergebnis: G-Dur, I – V – vi – IV.
4. F und G gleichzeitig. Spielst du F–A–C und G–H–D als einen Klang, passen diese sechs Töne nur zu C-Dur und a-Moll. Michord zeigt dann als passende Tonarten C und Am. Erst der nächste Akkord entscheidet: C spricht für C-Dur, E7 – Am für a-Moll.
Ein einzelner Akkord entscheidet nie. G7 allein passt zu C-Dur, c-Moll und a-Moll. E7 allein passt zu A-Dur, a-Moll und fis-Moll. Erst die Folge grenzt ein.
Wo wird es knifflig?
- Lieder, die nicht auf der Tonika beginnen. Viele Popsongs starten mit Am oder Dm und stehen trotzdem in C-Dur.
- Modale Lieder. Dorische oder mixolydische Stücke haben oft keine echte Dominante. Ein Dur-Akkord auf der ♭VII. Stufe (B-Dur in C) ist typisch für Rock und Pop; dazu Subtonic VII in Pop Music.
- Entlehnte Akkorde. Fm in C-Dur ist die Moll-Subdominante aus c-Moll, eine Farbe, kein Tonartwechsel.
- Zwischendominanten. Ein einzelnes D7 in C-Dur ist V/V und führt zu G. Die Tonart bleibt C.
- Modulation. Rückt der letzte Refrain einen Ganzton höher, gilt ab dort eine neue Tonart. Bestimme sie getrennt, wie in How to Recognize a Key After a Modulation beschrieben.
- Kapodaster. Gitarrengriffe sind nicht gleich Klang. Mit Kapo im 2. Bund und G-Griffen klingt das Lied in A-Dur.
Bei transponierenden Instrumenten (Klarinette in B, Altsaxophon in Es) bestimmst du die Tonart aus dem klingenden Ton, nicht aus der Notation.
Wie kannst du die Tonart nach Gehör herausfinden?
Ohne Akkordblatt geht es langsamer:
- Den Ruheton summen. Summe den Ton, auf dem sich das Lied „angekommen“ anfühlt, meist am Ende des Refrains.
- Auf der Klaviatur suchen. Tippe Töne an, bis einer zu deinem Summen und zum letzten Akkord passt.
- Dur oder Moll hören. Spiel darüber einen Dur- und einen Molldreiklang.
- Mit V – I prüfen. Klingt Dominante – Tonika wie ein Schluss, hast du die Tonart.
Wie hilft Michord, und was kann es nicht?
Du spielst Akkorde über MIDI-Keyboard, Bildschirmklaviatur oder Computertastatur, und Michord zeigt live Akkordsymbol, Umkehrung und Töne im großen Notensystem. In unserem eigenen Test ergab Cmaj7 (C–E–G–H) vier passende Tonarten: C, Em, G und Am. Genau deshalb kann ein einzelner Akkord die Frage nicht klären.
- Passende Tonarten. Unter dem Akkord listet Michord jede Dur- und Molltonart, deren Töne alle gerade gehaltenen Töne enthalten, bis zu sieben. Bei Molltonarten zählen die natürliche siebte Stufe und der Leitton. Die Liste gilt immer nur für den aktuellen Klang, sie sammelt nicht über mehrere Akkorde. Spiel also jeden Akkord einzeln und notiere seine passenden Tonarten: Die Tonart, die bei allen Akkorden auftaucht und in die sich die Dominante auflöst, ist deine Antwort.
- Tonart-Menü. Mit „Tonart: Auto“ wählt Michord die wahrscheinlichste Tonart, oder du stellst sie selbst ein. Die Stufen erscheinen dann in dieser Tonart, etwa Cmaj7 als Imaj7 in C.
- Im Abo. Passende Tonarten und Stufen gehören zum Abo, ebenso die Funktionsanalyse mit Tonartbestimmung, Zwischendominanten, entlehnten Akkorden, Kadenzen und Modulationshinweisen.
- Regelbasiert, ohne Audio. Die Analyse folgt festen Regeln der Harmonielehre, keine KI. Aufnahmen, Audiodateien, Noten oder Fotos liest Michord nicht ein; Rhythmus und Tempo analysiert es nicht.
- Nur am Computer. macOS 11 oder neuer auf Apple Silicon sowie Windows 10 und 11; keine App für Smartphone oder Tablet, keine Intel-Macs.
- Preise. Der kostenlose Plan nach der Anmeldung braucht keine Kreditkarte (Details in den FAQ); jeder Start bringt zwei Minuten vollen Zugriff. Das Abo kostet 2,99 USD im Monat oder 22,99 USD im Jahr, jederzeit kündbar.
Wie du die App einrichtest, steht im Leitfaden zur Verwendung von Michord.
Wie übst du das Tonartbestimmen?
- Ein bekanntes Lied wählen.
- Akkorde abschreiben. Aus einem Akkordblatt, Strophe und Refrain.
- Die fünf Schritte auf Papier. Töne sammeln, Tonleiter, Dominante, Anfang und Schluss.
- Kontrollieren. Spiel die Akkorde einzeln ein, notiere zu jedem die passenden Tonarten und prüf, ob deine Antwort bei allen dabei ist.
- Stufen schreiben. Setz unter jeden Akkord die römische Zahl.
- Ein Mollstück versuchen. Such gezielt nach dem Leitton in der Dominante.
Die App ist dabei der Lösungsschlüssel; in der Prüfung hast du keine. Wie das in die Vorbereitung passt, zeigt der Beitrag zur Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule.
Tonart bestimmen im Unterricht
Zeig den Bildschirm am Beamer und spiel eine Folge Akkord für Akkord: Die Klasse schreibt zu jedem Akkord die passenden Tonarten auf, sucht die Tonart, die alle gemeinsam haben, und prüft dann die Kadenz. Mit dem Abo nimmst du den Bildschirm mit Ton als MP4 auf und gibst den Clip zum Üben mit.
Fazit
Die Tonart bestimmst du nicht an einem Akkord, sondern an der Folge: Töne sammeln, Tonleiter finden, dann mit Dominante und Schluss zwischen Dur und Moll entscheiden.
Den größeren Zusammenhang zeigt der Leitfaden zum Musiktheorie-Lernen. Alles Weitere im Michord-Blog.
Spiel jeden Akkord deiner Folge und sieh, zu welchen Tonarten er passt. Der kostenlose Plan braucht keine Kreditkarte; das Akkordfenster mit passenden Tonarten und Stufen gibt es im Abo für 2,99 USD im Monat oder 22,99 USD im Jahr.
Michord herunterladenHäufige Fragen (FAQ)
Ist der erste Akkord immer die Tonart?
Nein. Viele Lieder beginnen mit der Tonika, aber nicht alle. Manche starten auf der vi. oder ii. Stufe, etwa mit Am in einem C-Dur-Lied. Verlässlicher sind die Dominante, die vor der Tonika steht, und der Schlussakkord.
Wie unterscheide ich Dur und die parallele Molltonart?
C-Dur und a-Moll haben dieselben Vorzeichen. Achte auf den Leitton: In a-Moll ist die Dominante meist E oder E7 und enthält Gis, das in C-Dur nicht vorkommt. Dazu kommen der Schlussakkord und die Frage, ob die Kadenzen auf C oder auf Am enden.
Kann ich die Tonart ohne Noten herausfinden?
Ja. Mit einem Akkordblatt reichen die Akkordsymbole: Töne sammeln, Tonleiter finden, Dominante und Schluss prüfen. Ganz ohne Vorlage summst du den Ton, der nach Ruhe klingt, suchst ihn auf der Klaviatur und prüfst ihn mit einer Kadenz V – I.
Findet Michord die Tonart einer Aufnahme oder Audiodatei?
Nein. Michord hört keine Aufnahmen, Audiodateien, Spotify- oder YouTube-Titel ab und liest keine Noten oder Fotos ein. Du spielst die Akkorde über MIDI-Keyboard, Bildschirmklaviatur oder Computertastatur, und Michord analysiert die Töne, die du spielst.
Ist die Tonartbestimmung in Michord kostenlos?
Nein. Das Akkordfenster mit passenden Tonarten, Stufen und Tonartbestimmung gehört zum Abo für 2,99 USD im Monat oder 22,99 USD im Jahr, jederzeit kündbar. Kostenlos und ohne Kreditkarte bleiben MIDI-Keyboard, Bildschirmklaviatur, Computertastatur, ein echter Flügelklang und die Notennamen der gedrückten Tasten.
Warum steht in englischen Akkordblättern B statt H?
Im Englischen heißt der Ton H „B“, und das deutsche B heißt dort „B♭“. Ein englisches G7 = G–B–D–F ist also im Deutschen G–H–D–F. Wer das verwechselt, sammelt falsche Töne.